• Projekt
    Ovesco Endoscopy AG

  • Architekt
    METARAUM Architekten BDA

  • Bauherr
    Ovesco Endoscopy
    AG

  • Produkt
    Planum-Fassade 2700 m², NCS S6502Y

  • Verarbeiter
    Connect DWH GmbH

  • Fotos
    Zooey Braun Fotografie

Entwurfs- und Nutzungskonzept
Ziel des Bauvorhabens war es, die bisher in der Stadt verteilten, verschiedenen Nutzungen der OVESCO Endoscopy AG, nun in einem Firmengebäude zusammenzufassen und das Unternehmen damit im neuen Technologie- und Wissenschaftspark Tübingens sichtbar zu machen. Dabei lag die Herausforderung darin, die spezifischen Betriebsfunktionen von Verwaltung und Vertrieb mit ihren Büroflächen, von Forschung und Entwicklung mit Werkstätten und Laboren, sowie von Reinraum-
Produktion, Lagerhaltung und Logistik, nicht etwa nur in einem baulichen Ensemble zusammenzubringen, sondern – in engem physischen Kontakt zueinander – in einem Haus zu verbinden. „Kommunikation“ als die zentrale Leitidee des Betriebskonzepts und der Unternehmenskultur wurde demzufolge zum Entwurfsmotiv für die Architektur des Gebäudes.

Architektonische und gestalterische Qualität des Gebäudes
Zugunsten eines großzügigen Vorplatzes mit Grünfläche ist das viergeschossige Gebäude auf dem Grundstück zurückgesetzt und nützt es, um auch einen innenliegenden Freiraum bieten zu können, maximal aus. Der 2-geschossige trapezförmige Sockelbaukörper basiert auf der Typologie des „Atriumhauses“. In den Atriumhof ist ein Kubus von abweichender Raumhöhe für die Reinraumproduktion eingestellt. Mit einem aufgesetzten zweigeschossigen Riegel schafft der Baukörper auf dem Eckgrundstück zum Tal hin, seinen unprätentiösen, aber dennoch vom Tal her sichtbaren Hochpunkt. Er markiert nicht nur den Zugang des Unternehmens, sondern bietet den Nutzern auch einen faszinierenden Weitblick über das Neckartal und Umland Tübingens. Die Gesamtform des Gebäudes entwickelt sich aus einem Guss. Die stumpfwinklige Gebäudeecke und die großzügige Unterschneidung des Gebäudes im Eingangsbereich, will das Haus geschmeidig um die Straßenbiegung führen. Am Ende des Baukörpers ist das zweigeschossige Warenlager integriert – mit vorgelagertem Logistikhof. Trotz höchst unterschiedlicher Anforderungen der Nutzungsbereiche an Konstruktion und Bauweise, gelingt es, ein einheitliches Erscheinungsbild zu formulieren, das dem Qualitätsanspruch des angesehenen Unternehmens als Imageträger Rechnung trägt.

Nachhaltigkeit des Gebäudes
Neben der Wahl dauerhafter und wertbeständiger Materialien, der Flexibilität der Raumstruktur, der Steuerbarkeit aller Betriebsabläufe hinsichtlich eines energiearmen Betriebs, der sparsame Einsatz haustechnischer Installation und Beachtung niedriger Verbrauchswerte, dem Gewinn regenerativer Energien durch eine große Solaranlage (940kWh/ kWp pro Jahr) und dem Verzicht auf den Eingriff in den gewachsenen Boden für ein Kellergeschoss, war insbesondere die richtige Ausrichtung des Gebäudes, um die Energielasten zu senken, ein wichtiges Kriterium für die Nachhaltigkeit des Gebäudes. Die Summe fein abgestimmter Maßnahmen im Entwurfs- und Planungsprozess macht das Gebäude zu einem nachhaltigen Bauwerk, nicht die spektakuläre Einzelmaßnahme.

Konstruktion
Die mehrgeschossigen Teile des Hauses sind als Stahlbetonrasterdecke mit Verbundstützen ausgeführt. Die Dimensionen und Stützweiten sind auf eine sparsame Verwendung des Materials hinausgelegt. Das gleichmäßige Konstruktionsraster ermöglicht einen maximal freien, flexiblen Grundriss. Der eingestellte Produktionsbereich benötigte eine eigene freitragende Konstruktion aus Unterzugscharen, die darüber hinaus eine intensiv begrünte Gartenfläche im Atriumbereich
des 1.Obergeschosses ermöglichte. Die im Süden in die Gebäudehülle integrierte 2-geschossige Lagerhalle ist als Stahlbau ausgeführt und DOMICO-Kassetten bilden hierbei den Wandaufbau.

Fassadengestaltung
Als Grundelemente des vertikal gegliederten Fassadenrasters wurden die Systemelemente PLANUM von DOMICO verwendet. Die Fassadengestaltung sollte nach außen und zu den Gewerbebauten der Umgebung hin einen ruhigen, eher geschlossenen Rahmen bilden, um der einladenden offenen Geste des großzügig verglasten Eingangsbereich, der vom Vorplatz aus über das geräumige Foyer in die Tiefe des lichten Atriumhofes blicken lässt, größtmögliche Wirkung zu verleihen. Zum Atriumhof, nach innen hin, großzügig verglast, repräsentiert die rhythmisch gegliederte metallische Hülle der Außenfassaden dagegen den technischen Charakter des Gebäudes, als
Entwicklungs- und Produktionsstätte von HighTech-Produkten. Obwohl es sich bei PLANUM um ein erprobtes, robustes und relativ preiswertes Produkt handelt, ist die Anmutung der Fassaden hochwertig, großzügig (wegen der großformatigen Abmessungen der Paneele) und kompatibel hinsichtlich der Ausbildung hochwertiger Details, die der Außendarstellung des innovativen Unternehmens angemessen ausgeführt werden konnten. Die Wirkung hochwertiger und präziser Elemente wurde insbesondere durch die Erarbeitung der Fügungsprinzipien und durchdachter Details erreicht – vor allem durch die sorgfältige Setzung und Detaillierung der Fugen, Sicken und Stöße zwischen den Metallpanelen, Eckausbildungen und Dachrandabschlüssen. Ergänzt wird der Ausdruck der Fassade durch die Addition eines besonders markant geformten Sonderbauteils, welches für die Plastizität der Fassade verantwortlich zeichnet: Diese Sonderelemente aus gefalteten Stahlblechen bilden einen, auf den Sonnenstand hin konzipierten, feststehenden Sonnenschutz vor den Öffnungen der Lochfassade und einen Lichtreflektor für die Innenräume. In Kombination mit textilen Behängen vor allem an den großflächigen Glasfassaden des Atriumhofs, kann das Gebäude auf diese Weise effektiv vor Einstrahlung geschützt werden. Die scharfkantig gefalteten Sonderelemente der Metallfassade, die wie über die Fensteröffnung gesteckt erscheinen, sind eine bewusste Reminiszenz an Aufsatzprodukte invasivmedizinischer Geräte, welche im Unternehmen gefertigt und „Clips“ genannt werden. Diese „Clips“ transportieren das Credo der OVESCO Endoscopy AG nach außen: Innovation und Präzision.

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